Die Unzufriedenheit des Herzens

Wer ist schon zufrieden? Und was bedeutet es? Das Wort „zufrieden“ besagt, dass
es zum Frieden führt, und Frieden heißt kein Streit, Ruhe, Stille. Ist es das,
was wir wollen?

Vielleicht stellen wir uns vor, um uns ganz zufrieden fühlen zu können,
müssten all unsere Wünsche erfüllt sein. Wenn wir gefragt werden, ob wir mit
unserem Leben zufrieden wären, ist die Antwort in der Mehrzahl vage.
„Eigentlich schon, denn ich habe ja alles zum Leben, was Viele nicht haben,“
oder „Ich sollte eigentlich glücklich und zufrieden sein, denn ich kann mir
fast alles leisten,“ danach folgt dann ein schüchternes „ABER“. Man arbeitet zu
viel; die Beziehung ist nicht so, wie man sie sich wünscht; die Umweltprobleme
machen einem Sorgen; die Eltern werden älter und hilfsbedürftig; mit den
Kindern hat man seine Schwierigkeiten; die eigene Gesundheit lässt auch schon
nach – man merkt, dass man nicht mehr so jung ist, wie man meint; und die
Politik stimmt schon gar nicht … Sicher kann jeder noch Einiges hinzu fügen.

Wann stimmt denn wirklich alles? Gibt es das überhaupt?

Falls sich jemand als zufrieden bezeichnet, wird er vielleicht belächelt und
als naiv oder geistig etwas beschränkt angesehen. Denn jeder intelligente
Mensch muss ja sehen, was in dieser Welt alles verkehrt, schlecht und böse ist.
Bei aller Mühe ist es nicht auszurotten. Kritisieren, Nörgeln und Raunzen sind
berechtigter Weise daher völlig normal – sind aber ihrerseits Lebens
beeinträchtigende Quälgeister..

Stell Dir vor: Du wärst im Paradies, wo es diese Probleme nicht gibt! Glaubst
Du damit voll zufrieden zu sein?

Liegt es vielleicht an anderen Dingen als an der Erfüllung der Wünsche, die
mir ein angenehmes, problemloses Leben verschaffen?

Meine Lebensumstände können gut oder sogar glücklich sein – wir tun ja auch
viel dafür, um das Maximum an Glück zu erreichen!

Aber da meldet sich ein inneres Gefühl, das trotz äußerem Wohlstand sagt:
„etwas fehlt mir – ich bin nicht erfüllt.“

Von WAS sollte man erfüllt sein? Gibt es darauf eine Antwort? Kann mein
Intellekt sie geben? Oder muss ich mein Herz fragen?

Was suche ich denn? Ist es etwas das mit Wahrheit oder Echtheit zu tun hat? Sind
es Lebenswerte, die mir fehlen oder die ich nicht erkenne?

Ist es das, was Lebenssinn genannt wird?

Vielleicht sollte ich mich sozial mehr engagieren – bietet mir das die
Erfüllung?

Helfen und unterstützen, da wo es notwendig erscheint, ist sicher ein sehr zu
schätzender Wert.

Dort ist es gerade die Unzufriedenheit, die zum aktiven Einsatz gegen
Mißstände motiviert. Wo Menschen und Tiere misshandelt werden, wo die Umwelt
geschädigt wird oder wo es gilt Ungerechtigkeiten aufzudecken – das sind
Betätigungsfelder für tatkräftige Hilfe.

Immer wieder werden Veränderungen im politischen und sozialen Bereich durch
einzelne Menschen oder Gruppen bewirkt, die mit dem Bestehenden unzufrieden
sind.

Kommen die Mißstände wirklich einmal ganz zu Ende? Ist es nicht vielmehr eine
Sisyphos-Arbeit, die immer wieder auf uns zurück rollt und nicht selten eifrige
Helfer

aufreibt und verzweifeln lässt? Wir nennen es das „burn-out-Syndrom“.
Ausgebrannte Helfer werden selbst hilflos, schützen sich oft durch
Gleichgültigkeit und neigen zu Depressionen.- Das kann es doch auch nicht sein!

Brauchen wir nicht die Zuversicht, dass wir aus der Unzufriedenheit einmal ganz
heraus kommen?

Brauchen wir nicht das Gefühl von Freude, Liebe und Glück, um das Leben zu
bewältigen?

Glückliche Momente haben wir wahrscheinlich alle einmal kennen gelernt – aber
wie schnell waren sie vorbei?

Vieles ist richtig und gut in unserem Leben – aber ist es gut genug, um uns ganz
zufrieden zu machen?

Wirkliche Zufriedenheit hat wenig mit äußeren Umständen zu tun – Es ist
vielmehr ein geist-seelischer Zustand, der sich aus verschiedenen Komponenten
zusammensetzt.

Der Buddha gibt eine unkonventionelle aber logische Antworten darauf.

Es geht nicht um die Befriedigung aller Wünsche; weil diese sich durch das
permanente Verlangen, die Gier, immer weiter steigern und nie zu einem Ende
kommen.

Zufriedenheit kann nur aus vollkommener Umkehr entstehen. Das heißt, von dem
ewigen Haben Wollen und Festhalten einmal loszulassen. Das hört sich einfach an
– ist aber das Schwerste im Leben. Wir wollen viel haben und festhalten, was uns
gehört. Nicht selten kämpfen wir um Besitz, um das Recht-Haben, um besser da
zu stehen, um Unannehmlichkeiten auszuweichen und um alles, was uns lieb und
wert erscheint.

Zuerst müssen wir wohl dem Buddha glauben, dass Einfachheit und Entsagen im
aktiven Leben und auch im Denken mit der Zufriedenheit in direkter Verbindung
stehen.

Das heisst, je weniger wir haben wollen und brauchen – umso unbeschwerter leben
wir.

Asketen brauchen wir nicht zu werden – aber von den Ideen, dass unsere
Erwartungen erfüllt werden sollten, um uns das ersehnte Glück zu bescheren,
müssen wir Abschied nehmen, wenn wir zufriedener werden wollen.

Damit hören die Probleme leider nicht auf, da sie in der Natur des Lebens
selbst liegen; aber wir haben dann eine andere Einstellung zu ihnen, die uns
alles leichter macht.

Die Lehre sagt, dass unsere Unzufriedenheit, die uns immer wieder Angst und Leid
beschert, aus gierigem Verlangen, aus Ablehnung, Hass, Ichsucht und falschen
Ansichten entsteht. Nur durch das Verringern und Aufheben dieser Triebe kommen
glückliche Gefühle der Befreiung hervor. Das Begehren ist der Durst, der die
Unzufriedenheit am Leben hält!

Gier, Hass und Verblendung sind die hinterhältigen Kräfte, die zu tiefer
Unzufriedenheit treiben. Ihnen Einhalt zu gebieten ist die „Friedens-Arbeit“.

Eine große Hilfe leistet das volle Verstehen der Vergänglichkeit und
Veränderung aller Dinge dieser Welt. Da es auf Dauer nichts zum Festhalten gibt
und wir auf natürliche Weise alles irgendwann verlieren, ist es einsichtig,
Vieles loszulassen, was wir nicht brauchen.

Empfohlene Übung:

Mehrmals am Tag inne zu halten – nur für so lange, dass man sich des eigenen
Körpers bewusst wird, wie er sich an dem momentanen Platz und in dem momentanen
Augenblick fühlt. Das Hier und Jetzt 10 – 20 Sekunden als „Mein Leben“ erleben.
Selbst diese wenigen Sekunden können wir nicht festhalten. Wir müssen sie
gehen lassen! Neue kommen, bleiben Augenblicke, und ziehen davon. Wie unsinnig
ist es doch, die Zeit an einen Ort anbinden zu wollen!

Jeder Moment, den wir voll und ganz bewusst erleben, ist ein Glücksmoment. Das
Vergehen des Momentes genau so bewusst bis ins Innerste zu erfahren, ist
beglückende Weisheit.

Achtsamkeit und Einsicht sind die Instrumente, die wir einsetzen müssen, um
zufrieden zu werden.

Mögen wir und alle Wesen glücklich sein!

Es grüßt Euch mit viel Metta Eure Wegbegleiterin Ursula

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