VIII. Schritt auf dem edlen achtfachen Pfad 21.09.-28.09.20 RECHTE SAMMLUNMG samma samadhi

Sammlung nennen wir im Alltag Konzentration. Sie wird überall gebraucht, wo es Aufgaben zu lösen gilt. Das fängt in der Schule an, geht über die Berufsausbildung  zur Existenzgründung und hört nie auf, weil es bis zum Lebensende Schwierigkeiten gibt, die bewältigt werden müssen.   

Wer konzentriert an eine Sache herangeht, schaut sich die Aufgabe genau an, Kennt das Ziel und sucht die beste Lösung für das Problem. Mit Achtsamkeit, Willenskraft und heilsamen Mitteln wird er sich dann an das Werk machen. Wer sich ein hohes Ziel steckt, braucht ein großes Maß an Konzentration, um auf der Erfolgsleiter weiter zu kommen.

Die großen Sportler, Künstler und Wissenschaftler haben sich auf Eine Sache, ein Projekt, konzentriert.  Ohne ihr Training und ihre Kontinuität  hätten sie ihre Spitzenleistungen nicht geschafft.

In der buddhistischen Lehre hat die Sammlung einen hohen Stellenwert.  Allerdings gilt es nicht,  höheres Ansehen, Macht und Erfolge zu erzielen, sondern um eine innere Läuterung zu erfahren, die das innere wie äußere Leben verändert und veredelt und schließlich vom Unbefriedigtsein, dem „Leiden“ befreit.

Alle Schritte des achtfachen Pfades, die wir bisher besprochen haben, müssen uns mit Willenskraft, Achtsamkeit und Konzentration Festigkeit geben, so dass sie uns auf unserem spirituellen Weg leiten und tragen können.

In einem Meditationskurs sind die meisten Leute erschrocken, wenn sie erfahren, wie schwer es ist, sich für länger als ein paar Minuten auf ein Objekt zu konzentrieren. Die Idee, im Kopf leer zu werden, ist eine illusion – aber seine Gedanken zu sammeln und sich damit einen Freiraum zu schaffen; das ist möglich. Da hilft es, zuerst einmal ganz körperlich im Hier und Jetzt bewusst anzukommen. Die meisten von uns sind so vielseitig beschäftigt, dass es schwer fällt, still zu sitzen und sein Bewusstsein nur auf sich selbst zu richten. 

Es gibt viele Meditations-Objekte, viel mehr als wir bei den Pfeilern der Achtsamkeit besprochen haben.

Hier werden wir auf die bewährte Atem-Betrachtung zurückgreifen.

MEDITATION  – DEN ATEM BETRACHTEN  (aus anapanasati)

Ankommen im Hier und Jetzt. Die Schwerkraft wahrnehmen und fühlen wie berührt mein Körper den Boden, die Erde. Aufrichten im Rücken und auf der Vorderseite, die Schultern breit, die Hände im Schoß und die Augen geschlossen. Innerlich feststellen: „Ich bin bei mir“.

Die Achtsamkeit auf das Atmen lenken. Ein- und Ausatmen natürlich kommen und gehen lassen –

Dann das Atmen als einen Ablauf, einen sich wiederholenden Vorgang anschauen.

Einen Atemzug mit seinen verschiedenen Aspekten betrachten: 

„Da beginnt das Einatmen – da hört es auf – da geht es über zum Ausatmen – da beginnt das Ausatmen, da endet es – und geht über zum Einatmen – – – .“ 

Der Atemkreis ist geschlossen und ergibt ein Ganzes – einen Atemzug.- – – 

Das Einatmen bringt uns zur Höhe, zur Fülle – das Ausatmen bringt uns hinunter zur Stille. Leises, inneres Ansagen „Fülle“ und „Stille“ mag helfen, die Achtsamkeit für längere Zeit bei dem Objekt zu halten. –

„Einatmen zur Fülle – ausatmen zur Stille.“

Mit der aufkommenden Ruhe sich dem Körpergefühl widmen, es als eine Einheit spüren.

„Den ganzen Körper empfindend atme ich ein – den ganzen Körper empfindend atme ich aus – so übe ich“. 

Je mehr wir uns einlassen in das ganzkörperliche Empfinden , ohne Beurteilung, ohne den Wunsch, es zu verbessern – einfach so zulassen wie der Atem ihn durchdringt  – umso wohler fühlen wir uns. 

„Wohlgefühl empfindend atme ich ein – Wohlgefühl empfindend atme ich aus –

  so übe ich“.

Dem Wohlgefühl Raum geben, wie groß oder klein wie stark oder schwach es empfunden werden mag, – es ist da.

Das Sich-Einlassen in dieses angenehme Wohlgefühl bringt Freude hervor. Sie mag umfassend oder gering sein aber sie ist in jedem Menschen vorhanden –allein schon lebendig zu sein und zu atmen!

„Freude empfindend atme ich ein  – Freude empfindend atme ich aus – 

  so übe ich.“   

Freude ist erregend und bewegt unsere Gefühle. Wenn man sie anerkennt und ihr bewusst Raum gibt, kann sie erhebend leicht, hell und voll Licht sein.

Aus der Freude lassen wir innere Befriedigung entstehen, denn wir haben bekommen, wonach wir uns sehnen. Inneres stilles Glücksgefühl kommt auf.

„Glück empfindend atme ich ein – Glück empfindend atme ich aus – so übe ich.“

In dieser feinstofflichen Atmosphäre einfach da sitzen in voller Zustimmung und Zufriedenheit – das ist Glücklichsein. – – –  

Ruhig in die Grobstofflichkeit zurückkehren. Den Körper auf der Erde sitzend fühlen, 

tief einatmend sich dehnen und drehen und die erlebte Freude und das Glück in sich wissend, den weltlichen Belangen zuwenden.

Die Hände zusammenlegen und bei sich selbst bedanken. 

Ruhe und Frieden der Welt schenken.

KÖRPERÜBUNG  –  LOTUSBLUME

Die Wurzeln der Lotusblume bilden sich im Schlamm. Während  die Pflanze keimt und nach oben wächst, säubert das Wasser ihren Stiel und der Schmutz fällt ab. An der Wasseroberfläche breitet sie ihre großen grünen Blätter aus. Diese bieten vielen kleinen Tieren Halt und Schutz. Aus der Mitte hebt sich der Blütenstengel zum Licht. Eine Knospe entsteht  – öffnet sich und wird zu einer strahlenden Lotusblüte.  Sie wendet sich dem Himmel zu.  Von ihrer Blüten-Reinheit gleitet jeder Schmutz, jede Verunreinigung ab – sie leuchtet in klarer Schönheit.

Wenn ihre Blütezeit vorbei ist, lässt sie ihre Blütenblätter los und diese sinken langsam in die Tiefe, wo sie einen nahrhaften Boden für neue Blumen bilden.

Die Symbolische Körper-Übung

Aufrecht stehen – die Hände auf dem Herzen.  Sie gleiten am Körper seitlich über die Hüften  und außen an den Oberschenkeln hinunter bis zu den Füßen, dabei neigen sich Kopf und Körper nach unten. –  Die Knie leicht beugen und die Finger am Boden um die Füße herum symbolisch im Schlamm die Wurzeln des Lotus suchen lassen. –

Mit den Handrücken an einander gehen die Hände zwischen die Füße und lassen in dieser Mitte den Keim symbolisch wachsen. Sie gleiten an der Innenseite der Beine hoch und weiter hinauf zum Herzen. –

Dort breiten sich die Arme aus und werden symbolisch zu den großen grünen Blättern auf der Wasseroberfläche. Sie laden Frösche, Libellen, Mücken und Raupen ein, sich auf ihnen auszuruhen. – 

Die Hände über dem Scheitel zusammen bringen, die Fingerspitzen berühren sich  – und der Blüten-stiel hebt sich vom Wasser ab. –

       Es formt sich die Knospe – und langsam öffnet sich die volle Blüte. Sie wendet sich zur Sonne und wiegt sich leicht im Wind in himmlischer Reinheit und Schönheit.- – –

Mit dem langsamen Fallen der Blätter sinken die Arme ruhig und bewusst seitlich hinunter- die Hände gehen außen an den Beinen bis zum Boden, zum Grund, wo neue Wurzeln auf das Wachsen warten. 

Die Übung öfter wiederholen und den Atem der Bewegung anpassen.

Am Ende die Hände vor dem Herzen zusammenlegen  und sich vor der Verwandlung aus dem Schmutz zur Reinheit verneigen.

BUDDHALEHRE

Rechte Sammlung – samma samadhi

Wenn in der Lehre von Sammlung gesprochen wird, ist die starke, anhaltende Konzentration gemeint, die zu den Vertiefungen führt (jhanas).

Das ist meistens ein längerer Weg. Der Atem soll uns als Sammlungspunkt dienen. 

Am Anfang, wenn der Geist noch nicht zur Ruhe gekommen ist, ist es schwer, die Gedanken  auf die Atmung zu fokussieren. Sie zerstreuen sich oder laufen im Kreis und stehen nicht still.

Immer wieder muss man sie einfangen, zurückholen, einsammeln. Der Moment, in dem der Geist auf dem Objekt, dem Atem ruht, heißt „momentane Sammlung“. Sie zu üben, bringt die „längere Sammlung“ hervor mit  an haltender Konzentration. Sie entwickelt sich bei gutem Sitzen und wird zur „angrenzenden Sammlung“. In dieser Phase ist der Geist klar und kann gute Einsichten und Erkenntnisse hervorbringen.

Bis hierher hat der Übende den Atem zur Konzentration gebraucht. Dann ist es die Konzentration selber, ohne die Ausrichtung auf den Atem, welche den grobstofflichen Körper in Feinstofflichkeit umändert. Da gilt es, anzunehmen und sich einzulassen.  

Zuerst ist es ein ganzheitliches Wohlgefühl, das sich leicht, rieselnd, porös oder vibrierend o.ä. anfühlt. Es kommen noch Gedanken hoch aber das Ganzheitsgefühl bleibt im Vordergrund.

Dieser Zustand geht über in helle Freude. Er ist erhebend, liebevoll, weitet Herz und Geist und wird „Entzücken“ genannt. Im Hintergrund tauchen noch Gedanken auf.       

Es entwickelt sich weiter und wird ruhig. Innerlich lässt sich die Übende nieder in Vertrauen und Wunschlosigkeit. Es ist still und friedlich, die Gedanken haben sich gelegt.  Es ist inneres Glücksgefühl.

Die vierte Vertiefung hat eine Schwelle, die nicht leicht zu überschreiten ist. Da  heißt es, die Ich-Kontrolle abzugeben – sich hinein sinken zu lassen in die Tiefe. Man könnte es mit „Ich-Tod“ bezeichnen. Es ist tiefer Frieden. 

Ob man nur kurz in eine Versenkung kommt oder lange darin bleiben kann, hängt von der geistigen und auch körperlichen Verfassung ab. Sich sehr um Versenkung zu bemühen, bringt keinen Erfolg, weil es nicht um Machen sondern um Einlassen geht. Menschen, die sich hingeben können, kommen leichter in Vertiefungen.

VIER JHANAS – feinstofflich

1. Körperlich-Geistig Eins sein = ganzheitliches Wohlgefühl mit Gedanken.

2. Erhebende Freude, Licht und ausweitende Liebe = PITI, mit leichten Gedanken.

3. Ruhiges innerliches Glücksgefühl, Wunschlosigkeit = SUKHA, ohne Gedanken

4. Ruhiger , klarer, tiefer Frieden in Ich-losigkeit = UPEKKHA, Gedanken- und Sinnen-frei

Vier unstoffliche Vertiefungen

1. Raumunendlichkeit – Raumlosigkeit

2. Bewusstseinsunendlichkeit – Zeitlosigkeit

3. Leerheit – Begriffelosigkeit

4. Weder Wahrnehmen – noch Nicht-Wahrnehmen – Zwischenweltlichkeit 

Freude, Glück und Frieden erleben wir zeitweise auch in der grobstofflichen uns  gewohnten Welt. In den feinstofflichen Vertiefungen sind diese Gefühle reiner und intensiver. Die Hemmungen und von den Sinnen angeregten Triebe sind in diesen Stadien nicht vorhanden.

In der vierten feinstofflichen und allen unstofflichen Vertiefungen tritt das Ichbewusstsein zurück.  

Nach dem Erlebnis einer Vertiefung soll man sich aller Veränderungen bewusst werden und Einsichten daraus schöpfen. (Buch „Meditation ohne Geheimnis“ von Ayya Khema).

Die Vertiefungen zeigen uns, dass wir ohne unser triebhaftes Begehren und ohne Ablehnung innere Freiheit und Reinheit erleben können, die höher sind als unsere normalen Glücksgefühle. Weite Liebe und Verbundenheit in feinster Form kann sich darin zeigen.

Die Abwesenheit einer Ich-Darstellung, auch nur in Gedanken und im Gefühl, ergibt eine sonst nie erlebte Klarheit und Freiheit.   

FRAGEN

Wann hast du Momente der Ichlosigkeit im normalen Leben erfahren?

Erinnerst du dich an sogenannte „Gipfel-Erlebnisse“?

Was hat bei dir einen besonderen Eindruck hinterlassen?

MEDITATION –  DIE VERGÄNGLICHKEIT BETRACHTEN anicca-nupassana

Ankommen des Körpers im Hier und Jetzt.  In Ruhe den Atem betrachten. – – –

Ein Atemzug folgt dem andern – ständiger Wechsel, Bewegung – – –

Den Atemvorgang betrachten: Abschnitte Wahrnehmen – – – zusammengesetzt

Anfang und Ende von Ein- und Ausatmung wahrnehmen – – – keine Fixierung möglich

Atmung + Körper verbunden als Ganzes – – – Atem allein nicht existent

Atem und Körper reagieren auf einander – – – abhängig von einander

Atem nur im JETZT fühlbar – – – regulierbar im Pranayama / natürlich – bewusst wahrnehmbar

Jeder Atemzug ist NEU – – – wird alt – vergeht – stirbt – – – wird neu – entsteht -verweilt – verändert

Mit dem ersten Atemzug bin ich geboren – mit dem Letzten sterbe ich  – – – so ist Leben  

Mein Körper ist dem Atem gleich, meine Gefühle sind ihm gleich, meine Gedanken sind ihm gleich???

FRAGE: Wann fühle ich mich wohl mit meinem Atem?

Wenn ich ihn regulieren kann?

Wenn ich ihn bewusst zulasse?

Wenn ich ihn nicht beachte? 

Kann ich den Atem als MEIN betrachten, als Besitz, als etwas Bleibendes, mir gehorchend? ICH?

Kann ich ihn als EINEN Atem betrachten? unpersönlich – der Natur entsprechend? NICHT-ICH?

SO ist die Natur des Atems: vergänglich, substanzlos, leidhaft – – – SO ist das Leben.

In der Natur des ATMENS erkenne ich das LEBEN. Ich kann es ablehnen, dagegen kämpfen, es regulieren wollen – oder – annehmen, einverstanden sein – erkennend klug entscheiden.

Vergänglichkeit anicca, Unvollkommenheit dukkha, Substanzlosigkeit anatta, So-heit tathata  

Das sind die Lebensgesetze – die Leben-Gestalter.

Mögen wir sie erkennen, sie integrieren und im Einverständnis glücklich und in Frieden leben.

METTA

„ Und der Weise setzt sich zu Mond und Sternen und hält Raum und Zeit in seinen Armen.“

                               (chinesischer Meister)

Wir sehen mit den Augen dieses Weisen herab auf die Erde. Wir erkennen Berge, Flüsse und Meere und sehen den Anfang, wie es sich langsam so gestaltet hat, und wie Vieles schon wieder vergangen ist. Im Zeitenlauf steigen die Wellen und sinken wieder herab. Aus ihnen werden immer neue Kreaturen geboren, Pflanzen, Tiere und Menschen. –

Und darüber breitet sich der Himmelsraum aus und umhüllt diese Wunderkugel liebevoll. Sonne, Mond und Sterne sind die Hüter des Lebens, sie bewegen die Erde und alles was darauf lebt.

Alles erhält von ihnen Energie zum Gestalten, zum Werden und zum Vergehen im kleinsten Wesen wie in großen Scharen, in Völkern in ausgedehnten Lebensbereichen. –

Wie klein scheint die Erde, wie winzig die Menschen in ihren Behausungen und wie seltsam ihre Wanderungen seit  unendlicher Zeit. Ihr Weinen und Lachen, ihr Schreien und Lieben haben sie hinein gegeben in diese Welt. –

Von Begehren und Angst getrieben kämpfen und töten sie – aber auch die sind da, die helfen und sorgen und behüten – sie lieben. 

Und der Weise bei Mond und Sternen umarmt sie alle im kleinsten Dasein – in kosmischen Zeiten – in unendlichen Räumen. Mit den Augen der Weisheit und den Armen der Güte und des Mitgefühl umhüllt er diese Welt, mit allem was darin war, jetzt ist und sein wird. So hält er das Universum.

In tiefem Vertrauen verneigen wir uns vor den überweltlichen Kräften.

Mögen wir Klarheit, Ruhe und Glück finden und verbreiten. Mögen wir uns in das Leben einlassen!        

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