Zuviel

Liebe Freundinnen und Freunde,

Das Zu Viel und das Zu Wenig macht vielen Leuten zu schaffen.

Heutzutage werden wir mit Angeboten überschüttet. Mein Briefkasten ist voll
davon. Alles ist preisgünstig, und sie machen es möglich, alle meine Wünsche zu
erfüllen. Einfach toll!

Aber es geht ja nicht nur um’s Kaufen – es geht um Vergnügungen aller – an
Unterhaltung im TV, im PC mit Spielen und Chatten und Vieles was ich so nebenher
von meinen Enkeln höre.

Eine liebe Enkelin klagt darüber, dass es so viel Interessantes und
Vergnügliches gibt und sie außer ihrem Studium zu wenig Zeit für alles hat. Es
ist sowieso sehr erstaunlich was sie alles macht und um was sie sich kümmert –
aber es scheint ihr inneres Bedürfnis nicht ganz zu decken.

Wem geht es so ähnlich?

Haben wir Angst, etwas zu verpassen?

Meinen wir: Je mehr vom Leben zu erfahren macht es reicher?

WENN MAN SO JUNG IST WIE meine Enkelin, hat man das Recht seine Fühler so weit
auszustrecken wie irgend möglich, meine ich.

Ist man nicht geneigt zu glauben, alles zu können, wenn man es nur wollte – und
wenn einen die anderen ließen?

Wie viel kann man in die Zeit hineinpressen?

Und warum will man es?

Lässt sich die Zeit ausdehnen oder will man selbst expandieren?

Worin liegt der Wert?

Erhöht es unser Lebensgefühl? – oder unseren Selbstwert?

Es heißt ja, dass man den Tag „melken“ soll, das Leben auskosten, wo immer es
möglich ist.

Als Jugendliche-r will man vielleicht die Extreme kennen lernen, bis an die
Grenzen gehen – vielleicht sogar darüber hinaus?

Umgekehrt gefragt heißt es : Was habe ich zu wenig?

Woran mangelt es mir?

Kenne ich meine Fähigkeiten überhaupt?

Gibt es Möglichkeiten, sie zu erproben?

Wo kann ich meine Kräfte und Ideen am besten einbringen?

Was will ich wirklich?

Was kann oder darf ich, ohne Schuld und Kritik zu bekommen?

Vielleicht sollte man sich fragen:

Was ist mir wichtig. Habe ich im Moment Prioritäten, für die ich mich einsetze?
Erlebe ich das JETZT wirklich – oder denke ich an zukünftiges Erleben?

Was ist das wichtigste in diesem Augenblick?

Sehe ich Vieles neben einander und alles ruft mich?

Kann ich mich nicht für eins allein entscheiden?

Stell Dir vor, Du wärst eingesperrt, abgetrennt von Deinem bisherigen Leben.

Was würde Dir am meisten fehlen?

Wonach hättest Du Sehnsucht?

– Ist es das, was Du auch vorher so gesucht hast?

WAS KOMMT ZU KURZ?

Bei dem Vielen – findest Du da noch tiefes Verständnis für eine Sache – für
einen Menschen – für Deine menschlichen inneren Fähigkeiten?

Wo findest Du Deine innere Stabilität, Deine Kraftquelle?

Hast Du nicht den Wunsch, Einheit und Geborgenheit zu fühlen?

Was hälst Du für etwas Echtes, Unverfälschtes?

Gibt es so etwas wie echte Freundschaft, echte Liebe?

Oder läuft alles so ab, wie wir es im Fernseher serviert bekommen?

Unsere Lebenszeit ist begrenzt- keine Frage – aber doch eine Frage:

Ob man so viel als möglich hineinpacken sollte – oder ob man in die Tiefe des
Lebens eindringen könnte? Vielleicht sich selbst innerlich kennen lernen und die
Werte zu finden, die es lohnt zu entwickeln?

Ist nicht alles letzt endlich eine GLÜCKSUCHE?

Ich will glücklich sein!

Ich will an keinem Mangel leiden!

Ich will frei von Ärger, Katastrophen und Ängsten sein!

Ich will wichtig sein; anerkannt und geliebt werden!

Ich will nicht allein, sinnlos und vergessen leben!

Ist jemand gegen diese Wünsche?

Können wir sie uns durch das Viele erfüllen?

Alles ein bisschen – oder weniges intensiver?

Ist das die Frage?

In der buddhistischen Lehre ist von vier Ebenen des Glückes die Rede.

1. Auf der materiellen Eben, wo unsere Sinne uns Vergnügen und angenehme Gefühle
verschaffen, – wo unsere Tüchtigkeit Geld verdient und Besitz anschafft.

– Nehmen wir unser Glück wahr? –

2. Auf der emotionalen Ebene. Empfinden wir Zuneigung zu bestimmten Menschen, zu
Tieren, zur Natur? Kennen wir Liebe?

– Nehmen wir dieses Glück wahr?-

3. Auf der geistig, kognitiven Ebene.

Haben wir Interessen? Lesen und lernen wir gerne?

Haben wir Freude an Wissen und Erkennen?

– Nehmen wir dieses Glück wahr? –

4. Auf der geistig – spirituellen Ebene.

Kennen wir einen Ort der Ruhe, des Rückzugs?

Beschäftigen wir uns mit religiösen Fragen und Praktiken?

Sind wir in einer spirituellen Gemeinschaft?

Haben wir Freude am meditieren?

– Nehmen wir dieses Glück wahr?

Wie viel brauchen wir von all dem Aufgezählten?

Zeigt sich der Meister wirklich in der Beschränkung? – wie Goethe sagt?

Ist Einfachheit und Bescheidenheit nicht etwas überholt?

Was ist mit der Frage:

Welche Freude gibt mir ein eindringliches Lebensgefühl?

Kann ich sie mit dem Kopf, Herzen und dem Körper bejahen?

Sind es selbst geschaffene oder angebotene Freuden?

Kann ich mich ohne Sorge darin einlassen?

Das reicht wohl für heute – eben nicht zu viel!

Aber unermesslich viel Metta!

 

Mit Freude am stocklosen Gehen grüßt Euch Eure alte Ursula

Ein Gedanke zu „Zuviel

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