Von TRIEBEN getrieben

Liebe Freundinnen und Freunde auf dem Weg!

„Von TRIEBEN getrieben“ heißt mein Thema für das Sonntags-Seminar am 26. April welches ich wegen der Corona-Krise nicht im BZ Wien halten kann. Aber ich begrüße Euch alle sehr herzlich in dieser Form und hoffe, dass Ihr gesund seid, gute Widerstandskraft habt und auch in dem Rückzug positive Seiten für Euch entdeckt.

Ich möchte Euch hier verkürzt vermitteln, was ich für mich über die Triebe herausgefunden habe. Das ist natürlich ein ganz kleiner Teil des Themas, das uns fast ständig entgegentritt und das uns bewusst und unbewusst trifft.

In der Mittleren Sammlung steht die Lehrrede an zweiter Stelle:  M2  sabbasava sutta =  Alle Triebe.

Es werden sieben Triebe aufgeführt. Nicht die Triebe direkt, die müssen von den „Hörern“ selbst entdeckt werden – hier spricht der Buddha von den Untugenden, (Kurt Schmidt, ein Übersetzer, sagt „Anwandlungen“) die zu den Trieben führen.

Warum soll man diese Triebe überwinden und vernichten, wie es der Erwachte in seiner Rede empfiehlt? Da heißt es: Wenn man uneinsichtig den Trieben die Möglichkeiten zum Anwachsen bietet, unterliegt man schlimmen, quälenden Anwandlungen. Es zeigt sich in Druck, Unfreiheit und geistigem Getrieben-sein. Kay Zumwinkel, auch ein Übersetzer, nennt die Folgen der falschen Sicht: Triebe, Ärger und Fieber. Das „Fieber“ hat mich überrascht; aber es zeigt die ungesunde Übertreibung, die uns zum rastlosen Fiebern nach einer Sache führt.

Da wir auf einem Edlen Weg sind und auf diesem weiter gehen wollen, müssen wir darauf achten, nicht auf Abwege zu geraten. Die Verführungen, die der Buddha Triebe nennt und ihre Anfangsgründe wie auch ihre Auflösung erklärt, gab es zu seiner Zeit also auch schon und sind heute ausgeprägter als zuvor.

Je vertrauensvoller und bewusster wir dem Edlen Achtfachen Pfad folgen, umso leichter können wir den störenden Trieben widerstehen.

Welche Triebe werden in der Lehrrede M2 genannt?

1. Mit dem Schwierigsten wird begonnen, dem Denk-Trieb, GRÜBELN. Das ständige Kreisen der Gedanken um das ICH. Woher es kommt, was es genau ist, wohin es geht, wie das Ich dieses ICH erkennen und beurteilen kann …? Im täglichen Leben scheint es mir im Grübeln zu liegen.. Wie lange grübeln wir  über Schuldfragen und Sorgen?  Es ist kein klares Überlegen, ob wir etwas richtig oder falsch machen oder welche Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen?  – Es läuft uns mit wenn, wäre, sollte, hätte, müsste – einfach aus dem Leim. Grübeln quält uns und zieht uns oft in negative Gefühle und lässt uns auch nachts nicht zur Ruhe kommen.

Einsicht in klare Tatsachen wird als Gegenmittel angeführt. Anstatt der irrationalen ICH-Person hinterher zu laufen, soll man sich dem rationalen Leben stellen – was in den Vier Edlen Wahrheiten erklärt ist.  – Wie ist es bei Dir mit Gier, Hass und Ichsucht, was Dir und anderen nur Leid bringt?

Versuchst Du  ernsthaft, etwas dagegen zu unternehmen? Die acht Glieder es Edlen achtfachen Pfades zeigen Dir Varianten für klare Vorgehensweisen – Was bringst Du davon in Dein Leben?

2. Sinnenlust kann in übertriebenem Maße zu Gier und damit zu einem starken Trieb werden. Sie kann unseren Geist wirklich in Fieber bringen – oder in Feuer? Sie kann uns mit heißem Begehren nach dem angestrebten Ziel so besetzen, dass nichts Heilsames in unserem Geist Platz hat. Ein Leben in ausgelassener Sinnenlust, Hedonismus, kann nicht wirklich befriedigen.

Die Gegenübung ist rechtzeitiges Sehen, wann die reine Freude zur Gier wird. Das Ausufern führt unweigerlich zu Ärger, Traurigkeit und Schuldbewusstsein. Eine vernünftige Kontrolle unserer Sinne und maßvolles Einschränken muss geübt werden. Echter Genuss liegt nicht im Mehr und Interessanter sondern im achtsamen momentanem Erleben.

3. Für die Mönche wird an dritter Stelle der richtige Gebrauch der vier nötigen Gegenstände für ihr Leben und ihre Gesundheit genannt – Kleidung, Essen, Schlafen und Medizin. Was sind unsere Bedürfnisse darüber hinaus? Wir werden von der vielen Werbung bombardiert und kaufen meistens zu viel. Ständig wird uns eingeredet, was wir alles noch bräuchten. In der momentanen Krise kaufen wir weniger und bewusster ein, was uns gut tut.

Die „Bedürfnis-Steigerung“ in unserer westlichen Welt belastet uns mit viel unnötigem Kram, den wir in klaren Momenten komplett loswerden möchten. Einfacher Leben führt zu mehr Ruhe und zu innerer Gesundung.

4. Der vierte Trieb ist die Ungeduld. Rastlosigkeit im Tun und Erwarten treibt manche Leute zu ständiger Unruhe. Es ist hier vor allem die Unduldsamkeit gemeint. Ob es Mücken und Fliegen sind, Kälte oder Hitze,  böse Worte und Beleidigungen, –  kann ich das aushalten, ohne Ärger, Wut und aggressiven Gedanken?

Erdulden heißt das Gegenmittel. „Zulassen“ ist für mich der geeignete Begriff.  Ich lasse mich nicht gerne von Mücken stechen und von Hitze oder Kälte gefährden; ich werde so weit als möglich, die Störungen gewaltlos verhindern. Was nicht zu ändern geht, versuche ich geduldig hinzunehmen, zuzulassen. Unangenehme, böse Reden wie Schmutzwasser an mir abrinnen zu lassen, ist bedeutend schwieriger. Nachsicht und Mitgefühl müssen dann helfen.

5. Gefahren Vermeiden wird gegen den fünften Trieb angesprochen. Worin besteht dieser Trieb?  Sich Gefahren auszusetzen ist das triebhaft? Einerseits ist es ein Beweis für unseren Mut, andererseits bringt Grenzüberschreitung ein prickelndes Lebensgefühl mit sich. Ich-Bestätigung und Machtgefühle mögen damit auch verbunden sein. Lassen wir uns davon verführen?

Gut überlegen und dann das Riskante vermeiden, ist ein sicherer Weg, der geistige Ziele zulässt, die mehr Nachhaltigkeit aufweisen.

6.  Der sechste  Trieb soll durch Vertreiben behoben werden. Wie heißt der Trieb? Gedanken treiben lassen! Sie kreisen ständig um Wünsche und um Ablehnung, Gier und Hass, und es heißt, dass sie zu Unwissenheit führen. Stecken bleiben in Gewohnheiten und innerer Trägheit wie auch Starrheit. Vielleicht ist unermüdliche Glückssuche darin enthalten?

Vertreiben, entfernen, umwandeln der unheilsamen Gedanken wird vom Buddha in fast allen Lehrreden beschrieben. Die Übungen dafür sind die Meditationen. In ihnen können wir Freude und inneres Glück erleben, die uns auf unserem spirituellen Weg helfen.

7. Den siebten Trieb fand ich nur für Mönche und Nonnen zutreffend; die sich nicht genügend der Aufgabe widmen, die sieben Erleuchtungsglieder zu studieren und zu praktizieren. Was bedeutet das für Laien? Was tun wir für  inneres Wachstum? Schieben wir nicht immer auf, das zu tun, was uns Wert und Sinn gibt? Meistens sagen wir bedauernd, wir hätten keine Zeit dafür? Wann wollen wir mit unserer spirituellen Entwicklung ernst machen?  –  Erst bei unserem Sterben? – bitte nicht!

Pflegen und Entfalten der buddhistischen Lehre in Theorie und Praxis ist einerseits Bemühen – kann aber auch zu tiefem Verständnis, zu sicherem Halt und zu heilsamer Begeisterung führen

 

Wenn du nun eine kleine praktische Übung zu „getrieben sein“ machen möchtest, lade ich dich ein, die folgende Gehmediation zu machen:

Gehmeditation zum Thema: Triebe – Getrieben (von Brigitte Hahn)

Stehe bewusst auf beiden Beinen, Gewicht gleichmäßig verteilt auf beiden Füßen, spüre den Körper lotrecht aufgerichtet, stabil und doch entspannt und ruhig – so stehe ich – jetzt – auf meinen Füßen – genau an diesem Platz.

Geh nun einige bewusste, achtsame Schritte, nimm jeden Schritt wahr, ein Schritt und noch ein Schritt. Spüre diesen Modus des bewussten Gehens.

Bleib nun stehen und erinnere dich, wie sich Gehen anfühlt, wenn du gehetzt bist, irgendwo schnell hin musst, einen Termin einhalten, Kinder von der Schule abholen, schnell , schnell, schnell  – getrieben von Verpflichtungen, eigenen Wünschen, Vorstellungen was noch alles zu erledigen ist. Vielleicht magst du das in Bewegung umsetzen und gehe nun so – z.B. einige Längen im Zimmer – in diesem Stil. So wie du gehst, wenn du rasch wohin willst, mit den Gedanken schon dort, mit dem Körper aber noch nicht, rasch, rasch. Wie fühlt sich das an? Körper und Geist sind getrennt, es entstehen Verspannungen, Ärger, Unruhe….

Bleibe nun wieder stehen. Spüre noch nach, wie war das, so gehetzt, so getrieben zu gehen. Was hat es mit mir gemacht, wie fühlt sich das an? Stehe nun bewusst in Ruhe, an diesem Ort, mit beiden Beinen am Boden, auf der Erde. Im hier und jetzt. Atme bewusst einige Male ein und aus, lass den Atem durch den ganzen Körper fließen, hinein in den Boden alle Anspannung abfließen.

Beginne nun wieder mit bewusstem Gehen, ein Schritt und noch ein Schritt, einige Längen im Zimmer. Versuche auch einmal schneller zu werden. Kann ich schnell gehen und trotzdem ganz bei der Sache bleiben. Geist und Körper bleiben beisammen, bewusst und konzentriert.

Werde nun wieder langsamer, setze bewusst noch einige langsame Schritte und komme zur Ruhe im Stehen. Nimm den bewussten Stand war, die Verbindung mit der Erde, aufgerichtet zum Himmel, im Hier und Jetzt. Der Atem fließt ruhig und entspannt durch den Körper. Lege die Hände auf Herz und Bauch und sage dir: Ich bin bei mir.          

METTA – Liebende Güte Meditation   „Die Haut eines Buddha“

Für einige Minuten setze dich bitte wieder hin und achte auf deinen Atem.

Die Idee dieser Übung nehme ich von Buddhas eigener Erfahrung mit den Trieben der Sinneslust, dem Machttrieb (Ich-sucht) und dem Daseinstrieb (Angst vor dem Sterben). In der Legende heißt es: Im Moment seines Erwachens bietet ihm Mara zuerst verführerische Liebeslüste an, dann die Macht als Herrscher und schließlich die Angst vor Untergang, um ihn von dem Erleuchtungsweg abzuhalten. Der Erwachte weist Mara zurück mit der Begründung, dass er ein größeres Glück kennt als Sinneslüste; dass ihm die Freiheit von Ich-Sucht höher gilt als jegliche  Macht; und dass er vor den Pfeilen des Todes keine Angst hat.

Die ungezählten Pfeile, die Mara auf den Buddha abschießt, fallen von der Haut des Erwachten einfach herunter. Sie verwandeln sich sogar in Blütenblätter, die vom Himmel auf  den Erleuchteten herab rieseln.

Stellen wir uns nun vor, dass wir uns so eine Buddha-Haut zulegen können, die für alle triebhaften Verführungen undurchdringlich ist. 

Wir fühlen uns sicher und stark. – – –                                                            

Das erfolgreiche Abwehren der Triebe verwandelt sich dann in himmlisch erhabene Freuden.

Allein an so eine Schutzhaut zu denken, von der alle bösen Pfeile abfallen, kann uns stoppen und das Anwachsen der Triebe verhindern. 

Jeden noch so kleinen Erfolg sollte man als Sieg mit Blumen feiern.

Diese Schutzhaut geben wir im Geist an Menschen weiter, deren Wohl uns am Herzen liegt. –            

Wir weiten den Raum aus für Menschen, mit denen wir kaum Kontakt haben. –  

Schließlich sehen wir in Gedanken alle Menschen geschützt in dieser „heiligen“ Haut. 

Dazu lassen wir Himmelsblüten der Liebe und der Freude über uns herab regnen.

Mögen wir unseren Weg freudig und geschützt bis zur vollkommenen Befreiung  gehen. Und mögen wir den Wert auch der kleinsten Schritte dorthin erkennen. Mögen wir unser Glück gut hüten.

 

Mit guten Wünschen, dass wir alle heil durch die Pandemie hindurch kommen –

Deine Wegbegleiterin Ursula

 

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