Wegbegleiter: Vergänglichkeit, das Entstehen und Vergehen

Liebe Freundin, lieber Freund!

Nun bin ich 91 Jahre alt und immer noch aktiv. Das macht mich dankbar und demütig. Zugleich sehe ich, wie achtsam und konzentriert ich auf mich selbst sein muss, um für andere da sein zu können. Ich bemühe mich, meinen Geist mit Erkenntnis zu nähren und mein Herz mit liebender Güte. Solange ich noch auf der Erde bin, möchte ich offen,  freudig und mitfühlend an allem teilnehmen, was das Leben bietet.

Die Themen, aus denen ich die Energie für mein JETZT beziehe, sind die universellen Gesetze. Vor allem die Vergänglichkeit, das Entstehen und Vergehen. Da dieses Thema meistens mit Angst besetzt ist, möchte ich Euch meine Gedanken darüber mitteilen. Ich bin überzeugt, dass eine umfassendere Erkenntnis dieses Naturgesetzes ein besseres Verständnis für den gesamten Lebensablauf wie für das momentane Leben ergeben kann.

Der Buddha hat in fast allen Lehrreden auf die Vergänglichkeit, das Dukkha (Unvollkommenheit) und das Nicht-Ich  hingewiesen. Viele Mediationsanweisungen haben das Sterben und den Tod zum Thema. Obwohl zur höchsten Leidfreiheit das Überwinden  des Lebens gehört, drängt er die Menschen geradezu, in der Gegenwart wirklich wach und anwesend zu sein.

Es sieht wie ein Widerspruch aus: Sich vom Leben lösen wollen und gleichzeitig intensiver am Leben Anteil zu nehmen. Wie das? Es geht nicht um das Leben an sich sondern um das HAFTEN am Leben.

Mein „Studium der Vergänglichkeit“ hat mir gezeigt, dass ich aus diesem Natur-Phänomen   meine Lebenskraft beziehe. Seit ich Entstehen und Vergehen als das größte Wunder sehe und annehme, habe ich ein umfassenderes Lebensbild als früher und fühle mich leichter. Das Wissen um die positive Wirkung der Vergänglichkeit möchte ich mit meinen Schülerinnen und Kursteilnehmern teilen, um dem Leben seine geheimnisvollen Kräfte abgewinnen zu können.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Was sind die letzten Wunder?

Warum sind sie Wunder?

Ein Wunder heißt, mit offenen Augen etwas Gewohntes, was man gar nicht mehr beachtet, anders zu sehen und sich wieder daran zu erfreuen. Ein Wunder bedeutet zu erkennen, dass alles wertvoll ist, wenn es mit einem klaren Blick beachtet wird. Wenn ich in der Ruhe, in der stillen Wahrnehmung die letzten Wunder anschaue, dann führen sie mich zur Erkenntnis, zu einem „weisen Besinnen“, wie Buddha sagt.

Welche Erkenntnis?

Ein Wunder ist ein Moment des Erstaunens: ich staune über eine neue Dimension des Lebens. Daraus entsteht Begeisterung. Das große Gesetz der Vergänglichkeit kann ich als Chance betrachten.

Wie?

Die Vergänglichkeit, die ich ablehne, weil ich dabei etwas verliere, bedeutet auch Erneuerung. Sonst blockieren alte Sachen meine Entwicklung. Wenn sie auch vergehen, kann ich mich etwas Neuem zuwenden. Nur so kann etwas entstehen. Diesen Prozess bringen wir nicht mit Vergänglichkeit in Bezug. Aber es ist eine Wechselwirkung:

Entstehen –> Vergehen –> Entstehen

Wozu dient die Erkenntnis?

Die Vergänglichkeit zu sehen, heißt sie zu verstehen. Daraus entsteht das Annehmen und… die Freude. Letztendlich öffnet sie mich der (universellen) Liebe, die alles in sich aufnimmt und alles umhüllt. Die Liebe, die den größten Schutz gegen die Angst ist.

Die Vergänglichkeit ist eine Chance, meinem Leben Sinn zu geben. Sie hilft mir zu erkennen, dass das Neue nur aus der Vergänglichkeit, aus dem Loslassen und dem Annehmen der Veränderung entstehen kann, und dass sie mich von Altlasten befreit.  (Michele Jörg hat es aufgeschrieben)

Praktische Fragen:

Ursula fragt Dich: Bist Du traurig, dass Du jetzt keine schönen Tulpen mehr siehst?

Fiktive Antwort: Eigentlich nicht; es gibt ja so viel Neues, was gerade  blüht.

Ursula: Also ist das Vergehen doch nicht so erschreckend?

Fiktive Antwort: In diesem Fall nicht – aber es kann einen auch richtig treffen.

Ursula: Woran liegt es denn, dass man sich tief betroffen fühlt?

Fiktive Antwort: Ja, wenn ich einen Menschen sehr lieb  habe und der stirbt oder trennt sich von mir, dann leide ich.

Ursula: Ja, ganz recht. Es kommt darauf an, wie sehr man an einem Menschen hängt. Das macht das Gefühl von Trauer bei seinem Verlust aus. – Kann es nicht auch eine Kündigung sein in einem Beruf, den man gerne ausübt?

Fiktive Antwort: Das kann natürlich auch sein – aber da ist man eher frustriert als traurig.

Ursula: Hängt es auch da nicht davon ab, wie sehr man sich mit dieser Arbeit verbunden fühlt und ob man sie behalten möchte?

Fiktive Antwort: Ja, natürlich.  Wenn wir diese Anstellung aber nicht schätzen, sind wir eher froh, dass man uns kündigt und suchen uns etwas Neues.

Ursula: Das Gesetz des Entstehens und Vergehens begleitet uns bei Schritt und Tritt. Machen wir es uns zu einem guten Begleiter!

Eure Ursula wünscht Euch einen wunderschönen Sommer.

Mögen wir im Wissen um die Vergänglichkeit unser wertvolles Leben heilsam gestalten

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